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Die magnetischen Demonstrationen des dänischen "show-Magnetiseurs"
Carl Hansen erlangten gerade für Deutschland um 1879-1880
eine besondere Bedeutung. Hansen trat in Schweden, Dänemark,
Finnland, Rußland, Frankreich, Österreich, Großbritannien
und Deutschland auf. Zur Einleitung der Hypnose ließ er
seine Probanden üblicherweise ein glänzendes Stück
Glas fixieren, machte einige Streichbewegungen mit seiner Hand
über deren Gesicht, schloß ihre Augen und Mund und
beendete die Induktion mit einigen Streichbewegungen über
die Stirn der Probanden. Häufig ließ er seine Probanden
steif zwischen zwei Stühlen liegen und stellte sich sich
dann auf den Körper der Probanden ("human plank feat").
Im deutschsprachigen Raum beeindruckte er mit seinen Demonstrationen
eine Reihe von Wissenschaftlern und regte entsprechende Publikationen
an: In Chemnitz den Physiker Weinhold (Hypnotische Versuche,
1879) , in Breslau die Mediziner Heidenhain und Berger, in Berlin
Preyer und Eulenberg, in Würzburg Rieger, in Leipzig Möbius
und Wundt und in Wien Krafft-Ebing und Benedikt.

Die magnetischen Darbietungen des dänischen Hypnotiseurs
Carl Hansen (1833-1897) beeindruckten eine Reihe medizinischer
Wissenschaftler in Deutschland, und regten die wissenschaftliche
Auseinandersetzung mit dem Phänomen "Hypnose"
an.
Gegen Ende des 19. Jhrdt. hatte sich das Zentrum
der klinischen und theoretisch/empirischen Hypnose von Frankreich
nach Deutschland verschoben (Gauld, 1992, p. 421). Dies kommt
etwa in den Beiträgen zur "Zeitschrift für Hypnotismus"
zum Ausdruck, die seit 1892 von Grossmann, dann ab 1895 von
Oskar Vogt und dem Schweizer August Forel herausgegeben wurde,
beide hervorragende Wissenschaftler. Vogt war Direktor des Instituts
für Hirnforschung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (dem
Äquivalent der heutigen Max-Planck-Institute); Forel war
Direktor des berühmten "Burghölzli", der
psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.

Oskar Vogt (1870-1959)
Literatur:
1) Gauld, A. (1992). A history of hypnotism. Cambridge: University
Press.
2) Heidenhain, R. (1880). Der sogenannte thierische Magnetismus.
Physiologische
Beobachtungen. Leipzig: Breitkopf & Härtel
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R. Heidenhain (1834-1917), Professor für Physiologie
an der Universität Breslau.
Wegen seines Einflusses spricht der Medizinhistoriker
Gauld von einer "Hansen-Phase" der Hypnose im deutschsprachigen
Raum 1). Die Hypnoseforscher
der "Hansen-Phase" waren aber nicht an den therapeutischen
Möglichkeiten der Hypnose interessiert, sondern interessierten
sich vornehmlich für die physiologischen Mechanismen
und den damit zusammenhängenden theoretischen Problemen.
Ein wichtiges Werk dieser Periode stammt aus der Feder des
bekannten Physiologen Heidenhain von der Universität
Breslau 2). Er war der Auffassung,
daß ein tief hypnotisierter Proband ohne Bewußtsein
sei und es deswegen zur posthypnotischen Amnesie kommen könne.
Die Unbewußtheit der hypnotisierten Probanden erklärte
er mit einer Hemmung im Bereich des Cortex, so daß die
aufgrund von Suggestionen angeregten Aktivitäten ohne
zentrale Kontrolle direkt zu motorischen Zentren gelangen
könnten und damit die motorischen Automatismen hervorgerufen
würden, die Heidenhain als die wesentlichen Phänomene
der Hypnose ansah.

Zeitschrift für Hypnotismus
(herausgegeben von
Oskar Vogt und August Forel)
Wie Heidenhain vertrat auch der international
renommierte Hirnforscher Oskar Vogt (er wurde übrigens
im Auftrag der Regierung der Sowjetunion mit der Sezierung
des Gehirns von Lenin beauftragt) eine physiologische Theorie
der Hypnose, wobei er - ausgehend von seiner Theorie des Schlafes
- annahm, daß in Hypnose nur die Hirnbereiche, die den
durch Suggestion angesprochenen Inhalten entsprechen, in besonderem
Maße aktiviert sind, während die Aktivität
in allen anderen deutlich herabgesetzt ist, womit er eine
Reihe hypnotischer Phänomene (z.B. negative Halluzination)
erklären konnte. Vogt war für den Status der Hypnose
in Deutschland sehr wichtig. Durch sein wissenschaftliches
Renommée erlangte die Untersuchung hypnotischer Phänomene
in Deutschland Ansehen und Seriosität (einer der Schüler
Vogts war im übrigen Korbinian Brodmann (1868 - 1918),
dessen histologische Einteilung des Cortex (Brodmann areas)
heute noch Geltung hat.)
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