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Einer der führenden Erforscher paläolithischer Höhlen,
Jean Clottes, hat zusammen mit dem südafrikanischen Ethnologen
David Lewis-Williams die Theorie aufgestellt, daß die
Abbildungen (Zeichen, Tiere, Mischwesen) in den paläeolithischen
Höhlen Tranceerfahrungen von steinzeitlichen Schamanen
wiedergeben bzw. daß diese Abbildungen zur Unterstützung
von Trancevisionen dienten 1).
Die Autoren gehen davon aus, daß während der Entwicklung
einer Trance drei verschiedene Stadien durchlaufen werden. Die
erste ist nach ihrer Auffassung gekennzeichnet durch die Wahrnehmung
von geometrischen Mustern (geometrische Formen, Gitter, Zickzackstreifen
etc.), in der zweiten Phase werden die geometrischen Zeichen
etc. mit Bedeutung versehen und je nach emotionaler Verfassung
entsprechend wahrgenommen (z.B. bei Furcht wird der Zickzackstreifen
zu einer kriechenden Schlange), in der dritten Phase kommt es
zu einer Identitätstransformation (so könne man sich
erlebnismäßig als ein anderer Mensch oder auch als
Tier wahrnehmen).
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Aus der Höhlenwand "herausragender" Pferdekopf
(auf vorstehende Gesteinsformation gemalt; Rouffinac-Höhle,
Dordogne/Frankreich; Magdalenien) |
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Geometrische
Zeichen aus der Höhle "El Castillo" (Puente Viesgo/Spanien)
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Diesen Inhalten von Tranceerlebnissen entsprächen auch
die Darstellungen in den steinzeitlichen Höhlen. Die Höhlenwände
könnten dabei in Trance wie eine durchlässige Membran
zu einer spirituellen Welt erfahren worden sein, durch die "magische"
Wesen aus der spirituellenWelt heraustraten und dem Schamanen
in der Trancevision erfahrbar wurden. Daher gäbe es auch
immer wieder Darstellungen, die "heraustretende" Tiere
zeigten.
Vermutlich werden wir nie genau wissen, welche Funktionen die
steinzeitliche Höhlenmalerei gehabt haben (zur Kritik der
Auffassung von Clottes & Lewis-Williams siehe Bosinski (1999)2)).
Der Vergleich von steinzeitlichen mit traditionellen Jäger-
und Sammler-Kulturen läßt aber die Verwendung von
Trance im Zusammenhang mit Ritualen in den steinzeitlichen Bilderhöhlen
als durchaus plausibel erscheinen.
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Literatur:
1) Clottes, J. & Lewis-Williams, D. (1997).
Schamanen: Trance und Magie in der
Höhlenkunst der Steinzeit. Sigmaringen: Thorbecke.
2) Bosinski, G. (1999). Die Bilderhöhlen des Urals und
in Südwesteuropa - Einige
Vergleiche. In: Scelinskij, V.E. & Sirokov, V.N. ( 1999).
Höhlenmalerei im Ural.
Sigmaringen: Thorbecke.
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