hypnotherapie
literatur
hypnotherapie: eine eigenständige therapieform?

Abb.: M. H. Erickson
Die Entwicklung der modernen Hypnotherapie geht im wesentlichen auf die klinische Arbeit von Milton Erickson zurück (Utilisationsansatz, indirekte Kommunikation; s. dazu Lankton & Lankton 50); Peter, 1987 51)). Nun hätte man erwarten können, daß der Ericksonsche Ansatz, der weltweit auf große Resonanz gestoßen ist, Hypnotherapie als eine eigenständige Therapieform begründet hätte. Das ist zunächst nicht geschehen. Dies mag zum einen mit der Schwierigkeit zusammenhängen, die besondere Kreativität eines herausragenden Therapeuten, wie es Erickson war, zum Programm einer neuen Therapierichtung zu machen bzw. seine kreative Arbeit als eine eigenständige Therapie darzustellen. Zum anderen umfaßt die Ericksonsche Art von Therapie auch therapeutische Interventionen, die keine hypnosetherapeutischen Methoden darstellen (z.B. paradoxe Interventionen wie Symptomverschreibung).
Da Ericksonsche Therapie und Hypnotherapie bezüglich ihres Bestandes an Interventionsformen nicht deckungsgleich sind, ist es somit schwierig, Ericksonsche Therapie als eine eigenständige Therapieform zu erklären, die als Hypnotherapie bezeichnet werden könnte. Inzwischen gibt es aber Bemühungen, Hypnotherapie als eigenständige Therapie zu etablieren, die sich auf den ressourcenorientierten, hypnosetherapeutischen Anteil des Ericksonschen Ansatzes stützen. Wenn nun Hypnotherapie als eine eigenständige Therapie gelten will, muß sie einigen Anforderungen genügen wie sie für andere etablierte Therapien wie Verhaltenstherapie und Psychoanalyse auch gelten. Dabei müßte eine eigenständige Hypnotherapie über mindestens folgende Komponenten verfügen:
- Einen theoretischen Teil (Ätiologie; Theorie über den Wirkungsmechanismus der Therapie)
- Einen praktischen Teil (Interventionsformen, exploratives Vorgehen)
- Einen empirischen Teil, d.h. empirische Belege für die Effektivität der Hypnotherapie (Effektivitätsstudien, empirischer Vergleich mit anderen Therapieverfahren, Grundlagenstudien zu den angenommenen Wirkmechanismen der Hypnotherapie).
Falls die Hypnotherapie über diese drei Teile (Theorie, Praxis, empirische Begründung) verfügen sollte, müßte sie sich außerdem in ihren ätiologischen Vorstellungen, Interventionsformen etc. genügend von anderen Therapien unterscheiden, um nicht als Variante einer anderen Therapie zu gelten. Nun scheint das Bemühen, Hypnotherapie als eigenständige Therapie zu etablieren, nicht in die aktuellen Bemühungen zur Überwindung der Grenzen zwischen den Therapieschulen (Grawe, 2000 52) ) zu passen. Außerdem sollte die hypnosetherapeutische Konzeption innerlich zusammenhängend, kohärent sein, d.h. zum Beispiel, daß die Praxis der Hypnotherapie sich aus ihren ätiologischen Vorstellungen ergeben sollte. Alle diese Forderungen an eine Hypnotherapie als eigenständige Psychotherapie lassen sich erfüllen, worauf hier nicht im einzelnen eingegangen werden kann (s. dazu Bongartz, 2002 53) ). ihre Arbeitsweise zu konkretisieren und transparent zu machen, würde umso mehr ihr Potenzial zur Integration mit anderen Therapieformen klar. Dies betrifft zum einen die “tiefenpsychologische Dimension”, d.h. die Arbeit in der Altersregression (Bongartz & Bongartz, 2000, Kap. 12 54) ), aber auch die “verhaltenstherapeutische Dimension”, d.h. die Arbeit mit Ressourcen zur Veränderung der Gegenwart (Bongartz & Bongartz, 2000, Kap. 11 54) ), ebenso wie die Ebene der “Therapeuten-Patienten-Beziehung” (Revenstorf, 2001 55) ) wie sie von der klientenzentrierten Psychotherapie betont wird.





