Informationen zum
Thema Hypnose

EN

DE

bühnenhypnose

Nach­dem der Büh­nen­hyp­no­ti­seur sein Me­di­um in Hyp­nose ver­setzt hat, pas­sie­ren die er­staun­lichs­ten Din­ge, die nur mög­lich zu sein schei­nen, weil sich das Me­di­um in einem außer­ge­wöhn­li­chen Be­wußt­seins­zu­stand be­fin­det: Me­dien, die mit ent­blößtem Oberkör­per auf Na­gel­bret­tern oder Scher­ben­hau­fen mit ge­fähr­lich schar­fen Glass­plit­tern lie­gen, tra­gen keine Stich- oder Schnitt­wun­den da­von, ob­wohl der Hyp­no­ti­seur sich noch auf ihre Brust stellt.

Abb. 9: Die kataleptische Brücke

Abb. 9: Die kataleptische Brücke

Der Kör­per eines schmäch­ti­gen, jun­gen Mäd­chens wird so steif und hart wie ein Brett, das wie eine Brü­cke zwi­schen zwei aus­ein­an­der­ste­hen­den Stühle ge­legt wer­den kann und oben­drein noch das Ge­wicht des Hyp­no­ti­seurs aus­hält. Auf die Sug­ge­s­tion hin, daß das ein­fa­che, kühle Stan­ni­ol­pa­pier auf der Hand des hyp­no­ti­sier­ten Me­di­ums heiß wie glühen­des Eisen sei, zei­gen sich kurz dar­auf tatsäch­lich starke Rötun­gen und sogar Bla­sen wie nach einer ech­ten Ver­bren­nung.

­Nun ver­fügt der Büh­nen­hyp­no­ti­seur nicht über ü­ber­natür­li­che Fähig­kei­ten, son­dern, wenn er gut ist, über Show­ta­lent und be­herrscht ei­nige Prin­zi­pi­en, die die Show zum Er­folg führen, was der Fall ist, wenn die Zu­schauer viel zu stau­nen und zu la­chen haben 3). Dabei hängt der Er­folg einer Show nicht davon ab, ob die Me­dien wirk­lich in Hyp­nose wa­ren. Es reicht, wenn die Zu­schauer das glau­ben. ­Dies ge­lingt dem Büh­nen­hyp­no­ti­seur, indem er Leis­tun­gen voll­führen läßt, von denen das Pu­bli­kum in der Regel nicht weiß, daß sie jedem mög­lich sind. Eine sol­che Leis­tung ist etwa das Lie­gen zwi­schen zwei Stühlen (ka­ta­lep­ti­sche Brücke), das fast jeder ge­sunde Mensch ca. ein bis zwei Mi­nu­ten aus­hal­ten kann, und das sogar noch mit einer Per­son, die für kurze Zeit auf dem Kör­per steht.

Wie mit der ka­ta­lep­ti­schen Brü­cke ver­hält es sich auch mit dem Lie­gen auf einem Na­gel­brett in Hyp­no­se, wobei die Zu­schauer ver­blüfft sind, daß das Me­di­um kein Zei­chen von Schmerz zeigt. Aber auch dazu ist keine Hyp­nose not­wen­dig. Legt sich das Me­dium auf das Na­gel­brett, so ver­teilt sich das Kör­per­ge­wicht auf alle Nä­gel, wobei bei einem Brett mit vie­len Nä­geln ein Nagel höchs­tens mit etwa 150 bis 200 Gramm be­las­tet ist. Bei einer der­ar­tig ge­rin­gen Be­las­tung kann der Nagel die Haut aber nicht durch­drin­gen und wird nur als leich­ter Druck er­lebt, selbst dann, wenn sich der Hyp­no­ti­seur auf das Me­di­um stell­t. Von die­sen Leis­tun­gen ab­ge­se­hen, die in der Regel jedem mög­lich sind, ver­wen­det der Büh­nen­hyp­no­ti­seur auch Tricks, z.B. bei der “hyp­no­ti­schen Sug­ge­s­tion” von Brand­bla­sen. Dabei wird das Stan­ni­ol­pa­pier, das dem hyp­no­ti­sier­ten Me­dium als glühen­des Stück Eisen sug­ge­riert wird, zuvor mit einer che­mi­schen Sub­stanz be­han­delt, die bei Kon­takt mit der Haut Rötun­gen und Schwel­lun­gen her­vor­ruft. Mit der Ver­wen­dung von Tricks ähnelt er dem Zau­be­rer, der seine un­be­greif­li­chen Zau­ber­tricks aber ehr­li­cher­weise auch als Tricks de­kla­riert, während dies der Büh­nen­hyp­no­ti­seur unterlässt.

Abb 10: Bühnenhypnose

Abb 10: Bühnenhypnose

Neben die­sen Tricks zei­gen die “hyp­no­ti­schen Me­dien” oft auch ein - vom Büh­nen­hyp­no­ti­seur sug­ge­rier­tes - bi­zar­res Ver­hal­ten, z.B. Krähen wie ein Hahn, der sich vor sei­nen Hen­nen auf­spie­len will, oder sich am gan­zen Kör­per krat­zen, weil man sich in einem Amei­sen­hau­fen be­fin­det oder ver­liebt mit einem Be­senstiel tan­zen, der als hüb­sche Frau sug­ge­riert wur­de. Für die Er­zeu­gung sol­chen Ver­hal­tens auf der Bühne ist ein hyp­no­ti­scher Zu­stand nicht not­wen­dig, wie in den Büchern über Büh­nen­hyp­nose nach­zu­le­sen ist, die dar­auf hin­wei­sen, daß ver­blüf­fende «hyp­no­ti­sche Phäno­me­ne» wie das Ver­ges­sen des ei­ge­nen Na­mens, Un­fähig­keit, mit einem sug­ge­rier­ten Stot­tern auf­zuhören, von einem Glas Was­ser be­trun­ken zu sein etc. völ­lig ohne Hyp­nose mög­lich sind und statt­des­sen eine Reihe von an­de­ren Fak­to­ren zum Tra­gen kommt 49): Einer die­ser Fak­to­ren ist der un­aus­ge­spro­chene Er­war­tungs­druck, der in der Show­si­tua­tion herrscht. Das Pu­bli­kum möch­te, daß sich das Me­di­um so ver­hält wie es vom Hyp­no­ti­seur sug­ge­riert wird. Und das Ver­hal­ten des Me­di­ums ent­schei­det darü­ber, ob das Pu­bli­kum sei­nen Spaß und sein Stau­nen haben wird oder nicht. Sich den Sug­ge­s­tio­nen des Büh­nen­hyp­no­ti­seurs zu wi­der­set­zen und gegen das In­ter­esse und der ge­spann­ten Er­war­tung der ge­sam­ten Zu­schauer zu han­deln, sich also “fal­sch” zu ver­hal­ten und als Außen­sei­ter da­zu­ste­hen, er­for­dert schon einen ge­wis­sen Mut. Be­folgt das Me­di­um hin­ge­gen die Sug­ge­s­tio­nen und ent­täuscht das Pu­bli­kum nicht, so wird es für das “rich­ti­ge” Ver­hal­ten mit dem Bei­fall des Pu­bli­kums be­lohnt. Der Bei­fall bestärkt das Me­di­um in dem “rich­ti­gen” Ver­hal­ten, und die ner­vöse An­span­nung läßt nach. Der er­fah­rene Büh­nen­hyp­no­ti­seur wird daher dar­auf ach­ten, daß das Pu­bli­kum die Me­dien nach jeder be­folg­ten Sug­ge­s­tion mit Bei­fall be­denkt. Ü­ber­dies haben die Me­dien ja auch die Ent­schul­di­gung, in Hyp­nose ge­we­sen zu sein: Ähn­lich wie Per­so­nen, die auf Fa­mi­li­en­fei­ern oder Par­tys be­son­ders aus­ge­las­sen wa­ren, dies tags dar­auf mit dem Hin­weis er­klären, dassei der Al­ko­hol ge­we­sen und sie wüßten gar nicht mehr recht, was sie alles an­ge­stellt hät­ten, ma­chen es auch die Me­dien. Ihr lächer­li­ches Ver­hal­ten kön­nen sie damit ent­schul­di­gen, daß ei­gent­lich gar nicht sie selbst es wa­ren, son­dern die Hyp­no­se, die ihr merk­wür­di­ges Ver­hal­ten be­wirkt habe.

Abb 11: Bild einer Therapiesitzung: Klinische Hypnose findet wie jede seriöse Psychotherapie im Behandlungszimmer des Arztes, Psychologen oder Psychotherapeuten und nicht auf der Bühne statt.

Abb 11: Bild einer Therapiesitzung: Klinische Hypnose findet wie jede seriöse Psychotherapie im Behandlungszimmer des Arztes, Psychologen oder Psychotherapeuten und nicht auf der Bühne statt.

Klinische Hyp­nose und Büh­nen­hyp­nose haben nichts mit­ein­an­der zu tun. Aber auch wenn Tran­ce­zu­stände für eine Büh­nen­hyp­nose nicht not­wen­dig sind - wie Bücher zur Un­ter­wei­sung in Büh­nen­hyp­nose be­to­nen 49) - kön­nen doch spon­tane Tran­ce­zu­stände auf­tre­ten, manch­mal mit ne­ga­ti­ver Wir­kung. Des­we­gen ist die Büh­nen­hyp­nose auch in ei­ni­gen Län­dern, z.B. in Schwe­den, ver­bo­ten.

column view

print view