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Thema Hypnose

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hypnosefähigkeit

Abb. 7: Verteilung der Suggestibilität<br /><br />Bongartz, W. (2005). Hypnose. Vortrag 19. April, im Rahmen der 55. Lindauer Psychotherapiewochen 2005.

Abb. 7: Verteilung der Suggestibilität

Bongartz, W. (2005). Hypnose. Vortrag 19. April, im Rahmen der 55. Lindauer Psychotherapiewochen 2005.

Der Be­griff hyp­no­ti­sche Sug­ge­s­ti­bi­lität kann den Ein­druck ver­mit­teln, daß der Pa­ti­ent den Sug­ge­s­tio­nen wil­len­los ge­genü­ber­stün­de. Dies aber nicht der Fall. Uns er­scheint daher die Be­zeich­nung Hyp­no­se­fähig­keit ge­eig­ne­ter, um zu un­ter­strei­chen, daß der Pa­ti­ent in der hyp­no­ti­schen Trance aktiv an der Um­set­zung der the­ra­peu­ti­schen Vor­ga­ben be­tei­ligt ist. Dies wurde ü­b­ri­gens auch schon von der klas­si­schen Hyp­nose be­tont: “Der Pro­zeß der Hyp­nose fin­det…auf dem Wege der Au­to­sug­ge­s­tion statt 37).” Manchmal wer­den auch heute noch eher ne­ga­tive Per­sön­lich­keits­merk­male (wie Hy­po­chon­drie, Neu­ro­ti­zis­mus, Leicht gläu­big­keit, so­ziale Angst) mit der Fähig­keit, einen hyp­no­ti­schen Zu­stand zu er­fah­ren, in Zu­sam­men­hang brach­te. Dies geht zurück auf den berühm­ten franzö­si­schen Neu­ro­lo­gen Jean-­Mar­tin Char­cot (1835-1893), der Hyp­nose bei hys­te­ri­schen Pa­ti­en­tin­nen un­ter­suchte und dabei hys­te­ri­sche Sym­ptome mit hyp­no­ti­schen Phäno­me­nen ver­wech­selte 38).

Aufgrund sei­ner Au­to­rität wurde aber Hyp­nose als ein un­ter­su­chens­wer­tes Phäno­men in die Wis­sen­schaft ein­ge­führt, doch damit auch ein schwer aus der Welt zu schaf­fen­des Miß­ver­ständ­nis be­züg­lich der Kor­re­late der hyp­no­ti­schen Sug­ge­s­ti­bi­lität be­grün­det. Die Ver­su­che, in ent­spre­chen­den Un­ter­su­chun­gen eine Be­zie­hung zwi­schen Per­sön­lich­keits­merk­ma­len der ge­nann­ten Art (ge­mes­sen mit Per­sön­lich­keit­sin­ven­ta­ren wie MMPI etc.) ei­ner­seits und der hyp­no­ti­schen Sug­ge­s­ti­bi­lität her­zu­stel­len, schlu­gen fehl 39). Es wur­den keine zu­ver­läs­si­gen po­si­ti­ven Kor­re­la­tio­nen nach­ge­wie­sen. Die Folge war, dass diese For­schungs­tra­di­tion nicht wei­ter ver­folgt wurde und man statt des­sen mit dem Auf­stieg der Ko­gni­ti­ven Psy­cho­lo­gie in einer Viel­zahl von Ex­pe­ri­men­ten nach ko­gni­ti­ven Fak­to­ren such­te, die die hoch­sug­ge­s­ti­ble Per­son aus­zeich­nen.

Da­bei wur­den Zu­sam­men­hänge zwi­schen hyp­no­ti­scher Sug­ge­s­ti­bi­lität, ge­mes­sen mit den oben ge­nann­ten Ska­len, und den Wer­ten einer Ab­sorp­ti­onss­kala 40) fest­ge­stellt, die die Fähig­keit er­faßt, im Er­le­ben einer Si­tua­tion (z.B. einen Film se­hen) auf­zu­ge­hen und sich nicht durch ir­re­le­vante Reize ab­len­ken zu las­sen. Wei­ter­hin wurde in zahl­rei­chen Un­ter­su­chun­gen ein Zu­sam­men­hang zwi­schen Sug­ge­s­ti­bi­lität und ima­gi­na­ti­ven Fähig­kei­ten fest­ge­stellt 41). Hil­gard nimmt dis­so­zia­tive Fähig­kei­ten, die ein Aus­klam­mern be­wußt­seins­fähi­ger In­halte aus dem be­wußten Er­le­ben er­mög­li­chen, als Grund­lage hyp­no­ti­scher Phäno­mene wie der hyp­no­ti­schen Schmerzun­emp­find­lich­keit an 42).

Abb. 8: Alter & Suggestibilität

Abb. 8: Alter & Suggestibilität

Alter (ab Pu­ber­tät) und Ge­schlecht 43) von Pro­ban­den haben kei­nen Ein­fluß auf die Hyp­no­se­fähig­keit (eine ge­ring­fü­gige Ab­nahme der Hyp­no­se­fähig­keit mit zu­neh­men­dem Alter ist kli­nisch nicht von Be­deu­tung); Kin­der sind sug­ge­s­ti­bler als Er­wach­sene 44). Es be­steht ein Zu­sam­men­hang zwi­schen Hyp­no­se­fähig­keit und be­stimm­ten Störungs­bil­dern. Bu­li­mi­ke­rin­nen haben eine höhere Hyp­no­se­fähig­keit im Ver­gleich mit einer ge­sun­den Kon­troll­gruppe 45) bzw. im Ver­gleich mit Ano­rek­ti­ke­rin­nen 46). Eine höhere Hyp­no­se­fähig­keit haben auch Pa­ti­en­ten mit post­trau­ma­ti­schen Be­las­tungs­störun­gen 47). Schi­zo­phrene Pa­ti­en­ten hin­ge­gen haben eine ge­rin­gere Hyp­no­se­fähig­keit im Ver­gleich mit ge­sun­den Pro­ban­den 48).

Die Hyp­no­se­fähig­keit ist nor­mal­ver­teilt, d.h. es gibt nur we­nige Pa­ti­en­ten, die Hyp­nose nicht er­fah­ren kön­nen, und an­de­rer­seits nur we­ni­ge, die Hyp­nose be­son­ders gut er­fah­ren kön­nen, während die meis­ten Pa­ti­en­ten eine mitt­lere Hyp­no­se­fähig­keit ha­ben. Da eine mitt­lere Hyp­no­se­fähig­keit für eine hyp­no­se­the­ra­peu­ti­sche Be­hand­lung völ­lig aus­reicht, kom­men die meis­ten Pa­ti­en­ten für eine der­ar­tige The­ra­pie in Fra­ge.

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