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Thema Hypnose

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abgrenzung gegen andere bewusstseinszustände

Abb. 5: Untersuchung des Patellarsehnenreflexes in Hypnose und Schlaf

Abb. 5: Untersuchung des Patellarsehnenreflexes in Hypnose und Schlaf

Schlaf: Das Er­schei­nungs­bild einer Per­son in Hyp­nose - ge­schlos­sene Au­gen, ru­hi­ges At­men, ge­ringe Mo­bi­lität, spon­tane Amne­sie über die Dauer der Hyp­nose (die al­ler­dings sel­ten ist) - hat dazu ge­führt, Hyp­nose als eine ab­ge­wan­delte Form des Schla­fes auf­zu­fas­sen. Auch das Wort “Hyp­no­se” ver­weist auf die frühere Gleich­set­zung von Hyp­nose mit Schlaf (hyp­nos, der grie­chi­sche Gott des Schla­fes). Hyp­nose und Schlaf sind aber ver­schie­dene Be­wußt­seins­zu­stän­de. An­ders als in Hyp­nose ist die Re­fle­xin­ten­sität im Schlaf deut­lich re­du­ziert 23). Das Schlaf-EEG un­ter­schei­det sich eben­falls klar vom Hyp­no­se-EEG 24). Es wurde auch ver­sucht, über den Ver­gleich von hyp­no­tisch in­du­zier­ten Träu­men und Träu­men während des Schla­fes auf die Be­zie­hung von Schlaf und Hyp­nose rück­zu­sch­ließen. Es ist be­kannt, daß Per­so­nen, bei denen in auf­ein­an­der­fol­gen­den Näch­ten die Traum­pha­sen, er­kenn­bar an den schnel­len Au­gen­be­we­gun­gen (ra­pid eye mo­ve­ment­s), sys­te­ma­tisch un­ter­bro­chen wur­den, in den fol­gen­den Näch­ten häu­fi­ger träum­ten (REM-re­boun­d). Das Traum­de­fi­zit mußte in der fol­gen­den Nacht auf­ge­ar­bei­tet wer­den. Es wurde ver­sucht, ein sol­ches Traum­de­fi­zit durch län­gere Traum­pha­sen in Hyp­nose wettz­u­ma­chen, was aber nicht ge­lang 25). Auch die In­halte der Träume in Hyp­nose und im Schlaf sind ver­schie­den von­ein­an­der 26). Eine schla­fende Per­son ist sich ihres Zu­stan­des in der Regel nicht be­wußt. Dies tritt zwar auch in Hyp­nose auf (s­pon­tane Amne­si­e), ist aber sel­ten.

Ent­span­nung: Auf phy­sio­lo­gi­schem Ni­veau sind Hyp­nose und Ent­span­nung nicht von­ein­an­der zu tren­nen 27). beide wei­sen trophotrope Merk­male auf (ver­rin­ger­ter Blut­druck, re­du­zier­ter Sau­er­stoff­ver­brauch, Re­duk­tion spon­ta­ner elek­tro­der­ma­ler Re­ak­tio­nen et­c.), wie sie auch bei Me­di­ta­tion 28) und Ent­span­nung 29) auf­tre­ten. Ab­ge­se­hen da­von, daß - an­ders als bei Ent­span­nung - bei der An­wen­dung von Hyp­nose die psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Ar­beit in “Tran­ce” we­sent­lich ist und nicht die neu­trale Ent­span­nungs­-Hyp­no­se, sind zwei Ge­sichts­punkte zu berück­sich­ti­gen, die eine Gleich­set­zung von Hyp­nose mit Ent­span­nung frag­wür­dig er­schei­nen las­sen. Zum einen sind hyp­no­ti­sche In­duk­tio­nen wirk­sam auch ohne kör­per­li­che Ent­span­nung, z.B. beim Fah­ren eines Fahr­ra­der­go­me­ters 30). Zum an­de­ren scheint die Fähig­keit zur Tran­ceer­fah­rung nicht trai­nier­bar zu sein 31).

Abb. 6: Yanomami-Schamane nach Konsum halluzinogener Substanzen.

Abb. 6: Yanomami-Schamane nach Konsum halluzinogener Substanzen.

In einer Fülle von Un­ter­su­chun­gen wurde mit zum Teil dras­ti­schen Me­tho­den wie sen­so­ri­scher De­pri­va­tion oder den Hal­lu­zi­no­ge­nen Mes­ca­lin, Psi­lo­cy­bin und LSD ver­sucht, die hyp­no­ti­sche Sug­ge­s­ti­bi­lität zu ver­bes­sern 32). Eine be­deut­same Ver­bes­se­rung der Tran­ce­tiefe trat dabei nicht auf, wo­hin­ge­gen die Ent­span­nung durch Ü­bung ver­tieft wer­den kann.

Wach­zu­stan­d: Das In­ter­esse an Hyp­nose be­ruht häu­fig auf der Er­war­tung, daß im Ge­gen­satz zum Wach­zu­stand Hyp­nose die Ka­pa­zität von Ge­dächt­nis und Mus­kel­kraft stei­gert, die Ent­schei­dungs­frei­heit bzw. das mo­ra­li­sche Ur­teil des Hyp­no­ti­sier­ten hin­ge­gen min­dert. Die­ser Er­war­tung wird aber durch die Re­sul­tate ex­pe­ri­men­tel­ler Un­ter­su­chun­gen nicht ent­spro­chen. Zu­sam­men­fas­send läßt sich sa­gen, daß es keine Be­lege für die Stei­ge­rung von Ge­dächt­nis­funk­tio­nen 33) bzw. eine Stei­ge­rung der mus­kulären Be­last­bar­keit 34) in Hyp­nose gibt. Eine Min­de­rung der mo­ra­li­schen Ur­teils­kraft durch Hyp­nose kann eben­falls aus­ge­schlos­sen wer­den 35).

Hypnose kann aber hel­fen, eine Amne­sie für ein trau­ma­ti­sches Er­eig­nis zu be­sei­ti­gen und so den Zu­gang zu Er­in­ne­run­gen frei­zu­ma­chen, die im Wach­zu­stand nicht er­reich­bar, emo­tio­nal blo­ckiert wa­ren. So etwa im Fall einer Ent­führung, die als Chow­chil­la-Fall be­kannt wur­de. In Ka­li­for­nien wurde 1976 ein Bus mit 26 Schul­kin­dern ent­führt. Der Bus­fah­rer und die Kin­der wur­den in einem un­ter­ir­di­schen Ver­schlag in einem ab­ge­le­ge­nen Stein­bruch ge­fan­gen ge­hal­ten. Un­ter­stützt von zwei äl­te­ren Jun­gen ge­lang es dem Bus­fah­rer, sich mit bloßen Hän­den aus dem un­ter­ir­di­schen Ge­fäng­nis zu be­frei­en. Ein Ver­hör des Bus­fah­rers durch das FBI er­brach­ten keine brauch­ba­ren Hin­wei­se. Erst in Hyp­nose ge­lang es dem Bus­fah­rer sich an eine Au­to­num­mer zu er­in­nern, die bis auf eine Zif­fer mit dem Kenn­zei­chen des Wa­gens der Ent­füh­rer ü­ber­ein­stimm­te, die dar­auf­hin ge­faßt wer­den konn­ten 36).

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