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Thema Hypnose

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änderungen in hypnose

­Sub­jek­tive Änderungen:

Abb. 1: Abbildung der untersuchten Areale von links, lateral (1-frontal, 2-superior parietal, 3-sensorimotor, 4-temporal-lateral, 8-occipital, 10-cerebellar). Die über die Versuchspersonen (N=15) gemittelten Daten zeigen die Veränderung des Glukosestoffwechsels (mikromol/100 g/min) vom Wachzustand zum hypnotischen Zustand sowie die Standardabweichungen

Abb. 1: Abbildung der untersuchten Areale von links, lateral (1-frontal, 2-superior parietal, 3-sensorimotor, 4-temporal-lateral, 8-occipital, 10-cerebellar). Die über die Versuchspersonen (N=15) gemittelten Daten zeigen die Veränderung des Glukosestoffwechsels (mikromol/100 g/min) vom Wachzustand zum hypnotischen Zustand sowie die Standardabweichungen

Versuchspersonen be­rich­ten nach einer Hyp­nose oft, daß störende Geräu­sche nicht wahr­ge­nom­men wur­den. Dies wird mit einer Einen­gung der Auf­merk­sam­keit er­klärt, die ex­pe­ri­men­tell u.a. von Grond et al. (1995) 1) un­ter­sucht wur­de. Die Un­ter­su­chung des re­gio­na­len Glu­ko­se­stoff­wech­sels im Ge­hirn von hyp­no­ti­sier­ten hoch­sug­ge­s­ti­blen Pro­ban­den mit­tels Po­sitro­nen-E­mis­si­ons- To­mo­gra­phie zeig­te, daß die “­Be­reit­schaft” zur Reiz­ver­ar­bei­tung in primären vi­su­el­len und akus­ti­schen Zen­tren re­du­ziert ist. ­Ne­ben der Einen­gung der Auf­merk­sam­keit be­rich­ten Per­so­nen in Hyp­nose auch über spon­ta­ne, d.h. nicht sug­ge­rierte Ver­än­de­run­gen in der Kör­per­wahr­neh­mung: Während einer län­ge­ren Hyp­nose kann es ge­sche­hen, daß etwa Beine und Arme län­ger oder kür­zer wahr­ge­nom­men wer­den oder sich an­dere Teile des Kör­pers schein­bar ver­än­dern - sich z.B. die Lip­pen aus­wei­ten oder der Kopf größer als nor­mal zu sein scheint. Auch Schein­be­we­gun­gen kön­nen auf­tre­ten: Pa­ti­en­ten be­rich­ten dann von einem Dre­hen des Kör­pers oder von dem Emp­fin­den, von der Liege zu glei­ten. Manch­mal ent­steht bei Pa­ti­en­ten der Ein­druck, daß be­stimmte Kör­per­teile wie Arme oder Beine nicht mehr vor­han­den sind. Spon­tan kön­nen auch ein Schwe­re­ge­fühl oder eine als an­ge­nehm emp­fun­dene Leich­tig­keit auf­tre­ten, be­glei­tet von einem Ge­fühl mus­kulä­rer Ent­span­nung, die sich im Elek­tro­myo­gramm ob­jek­ti­vie­ren läßt 2). Als wei­te­res Kenn­zei­chen des hyp­no­ti­schen Er­le­bens gilt die Tran­ce­lo­gik. Unter “trance lo­gic” wird die To­le­ranz ge­genü­ber lo­gi­schen Wi­der­sprüchen in Hyp­nose ver­stan­den: Bei einer hyp­no­ti­schen Rück­führung in die Kind­heit (hyp­no­ti­sche Al­ters­re­gres­sion) kann es bei Ver­suchs­per­so­nen, die in der Kind­heit noch nicht die Spra­che des Ver­suchs­lei­ters (z.B. Deutsch) be­herrsch­ten, ge­sche­hen, daß sie auf die Fra­gen des Ver­suchs­lei­ters rich­tig in der Spra­che ihrer Kind­heit (z.B. Por­tu­gie­sisch) ant­wor­ten 3). Dies ist aber “un­lo­gisch”, da für die Ver­suchs­per­so­nen die Fra­gen in der Kind­heit un­ver­ständ­lich ge­we­sen wären. Nach einer Hyp­nose sind Ver­suchs­per­so­nen oft über die Le­ben­dig­keit der Vor­stel­lun­gen ver­blüfft, die ihnen sug­ge­riert wur­den. Hoch­sug­ge­s­ti­ble Ver­suchs­per­so­nen, denen z.B. das Er­le­ben einer Szene aus der Schul­zeit sug­ge­riert wur­de, kom­men­tie­ren das Er­le­ben der ent­spre­chen­den Vor­stel­lun­gen manch­mal mit den Wor­ten: “Es war so, als wenn ich dort ge­we­sen wä­re.” Der­ar­tige Be­richte haben dazu ge­führt, die im Ver­gleich zum Wach­zu­stand ver­bes­serte Bil­dung vi­su­el­ler Vor­stel­lun­gen als kenn­zeich­nend für den hyp­no­ti­schen Zu­stand auf­zu­fas­sen, was sich auch ex­pe­ri­men­tell bestäti­gen läßt 4).

Ein wei­te­res Kenn­zei­chen der hyp­no­ti­schen Er­fah­rung ist die ver­zerrte Zeit­wahr­neh­mung. So­wohl kli­ni­sche wie ex­pe­ri­men­telle Un­ter­su­chun­gen be­le­gen, daß Pa­ti­en­ten und Ver­suchs­per­so­nen die Zeit, die sie in Hyp­nose ver­brach­ten, oft deut­lich un­ter­schät­zen 5); nach un­se­ren Er­fah­run­gen kön­nen diese Un­ter­schät­zun­gen sogar um 80 Pro­zent be­tra­gen, d.h. die Dauer einer einstün­di­gen Hyp­nose wird vom Pro­ban­den mit 10 Mi­nu­ten an­ge­ge­ben. Zei­t­in­ter­valle wer­den in Hyp­nose auch im Ver­gleich zu einer Ent­span­nungs­kon­troll­gruppe si­gni­fi­kant un­ter­schätzt 6).

Abb. 2: Zahnextraktion unter Hypnose

Abb. 2: Zahnextraktion unter Hypnose

Neben er­höh­ter Sug­ge­s­ti­bi­lität und leich­te­rem Zu­gang zu Ge­fühlen gilt Trance auch als ein Zu­stand, der dis­so­zia­tive Pro­zesse er­leich­tert. Dis­so­zia­tion kann sich zum Bei­spiel auf das Aus­blen­den äuße­rer Reize be­zie­hen wie es etwa bei hyp­no­ti­scher An­al­ge­sie der Fall ist, wobei starke äußere Reize bei chir­ur­gi­schen Ein­grif­fen wie Kai­ser­schnitt, Blind­dar­m­ope­ra­tion etc. 7), Zah­n­ex­trak­tion 8) bzw. Ein­set­zen eines Zahn­im­plan­tats 9) oder gar eine Gal­len­bla­sen­ope­ra­tion nur mit Selbs­t­hyp­nose als Anäs­the­ti­kum 10) nicht zu einer Schmer­z­wahr­neh­mung führen. Hyp­no­ti­sche Dis­so­zia­tion kann aber auch das “Ab­spal­ten” von Be­wußt­seins­in­hal­ten be­tref­fen wie etwa bei pos­thyp­no­ti­scher Amne­sie, bei der nor­ma­ler­weise zur Ver­fü­gung ste­hende In­for­ma­tion nach der Sug­ge­s­tion, sie zu ver­ges­sen, be­wußt nicht mehr prä­sent ist.

­Bit­tet man eine Per­son, die Hyp­nose gut er­fah­ren kann, den hyp­no­ti­schen Zu­stand zu be­schrei­ben, hört man oft die Ant­wort, es sei wie kurz vor dem Ein­schla­fen. Der Zu­stand sei zwi­schen Wa­chen und Schla­fen, in dem man eher in emo­tio­nal getön­ten Bil­dern denkt, die un­kon­trol­liert und spon­tan auf­tre­ten und lo­gisch un­ge­ord­net sind. Wegen die­ser Form eines bild­haf­ten, spon­ta­nen, nicht ra­tio­na­len Den­kens in Hyp­nose wird Hyp­nose von psy­cho­ana­ly­ti­schen Hyp­no­se­for­schern auch als primär­pro­zeßhaf­ter Zu­stand be­zeich­net 11).

Physiologische Än­de­run­gen:

Hirn­phy­sio­lo­gi­sche Maße: Während ab­sch­ließende em­pi­ri­sche Be­lege für die seit den 70er-Jah­ren be­ste­hende po­puläre An­nah­me, daß Hyp­nose mit einer all­ge­mei­nen Zu­nahme der rechts­he­mis­phäri­schen Ak­ti­vität ver­bun­den sei, noch aus­ste­hen 12), lie­gen Ar­bei­ten vor, die die Be­ein­flus­sung er­eig­nis­kor­re­lier­ter Po­ten­tiale (EKP) über die hyp­no­ti­sche Ver­än­de­rung von Wahr­neh­mungs- und Vor­stel­lungs­pro­zes­sen be­le­gen 13). In­zwi­schen wer­den auch die mo­der­nen bild­ge­ben­den Ver­fah­ren zur Un­ter­su­chung von Hyp­nose ein­ge­setzt. Dabei ist die hirn­phy­sio­lo­gi­sche Ak­ti­vität ab­hän­gig von den vor­ge­ge­be­nen Tran­cein­hal­ten: In einer PET-­Stu­die konnte ge­zeigt wer­den, daß bei einer Ru­he­hyp­nose die re­gio­nale Durch­blu­tung des vi­su­el­len Cor­tex er­höht ist, bei hyp­no­ti­scher An­al­ge­sie hin­ge­gen die re­gio­nale Durch­blu­tung im fron­ta­len Cor­tex, ins­be­son­dere im lin­ken, zu­nimmt 14).

Abb. 3: Physiologische Änderungen<br /><br />Bongartz, W. (1996). Der Einfluß von Streß und Hypnose auf das Blutbild. Psychohämatologische Studien. Frankfurt: Lange.

Abb. 3: Physiologische Änderungen

Bongartz, W. (1996). Der Einfluß von Streß und Hypnose auf das Blutbild. Psychohämatologische Studien. Frankfurt: Lange.

Veränderung au­to­no­mer Funk­tio­nen: Die in Hyp­nose er­lebte Ent­span­nung geht ein­her mit einer Dämp­fung des sym­pa­thi­schen Er­re­gungs­ni­ve­aus und führt damit zu einer Re­duk­tion der kör­per­li­chen Funk­tio­nen, die durch das au­to­nome Ner­ven­sys­tem ge­steu­ert sind. Dazu zählt die Ab­nahme der Atem­ra­te, die Ab­nahme der Herz­schlagra­te, die Ab­nahme des sy­sto­li­schen Blut­drucks, Ver­än­de­run­gen der Kör­per­tem­pe­ra­tur, eine Ab­nahme der spon­ta­nen elek­tro­der­ma­len Re­ak­tion sowie zu einer Sen­kung der im Elek­tro­myo­gramm er­faßten elek­tri­schen Mus­ke­lak­ti­vität 15). Endokrinologische Pa­ra­me­ter wur­den in der Hyp­no­se­for­schung bis­her kaum berück­sich­tigt. Ge­rade der nach­ge­wie­sene Ein­fluß von Hyp­nose auf au­to­nome Funk­tio­nen wie Herz­tätig­keit etc. legt nahe, daß die an­zu­neh­mende Dämp­fung des sym­pa­thi­schen Ner­ven­sys­tems in Hyp­nose über eine Re­duk­tion der Ka­techo­la­mine er­folgt. Bei einem Ver­gleich von Hyp­nose mit einer Streß und einer Kon­troll­be­din­gung (ru­hi­ges Sit­zen) wur­den Plas­maad­rena­lin und -no­rad­rena­lin je­weils vor, un­mit­tel­bar nach und 90 Mi­nu­ten nach den Be­din­gun­gen be­stimmt. Dabei zeigte sich am Ende der Hyp­no­se­be­din­gung ein deut­li­ches Ab­sin­ken von Plas­maad­rena­lin und -no­rad­rena­lin im Ver­gleich zum Streß, der zu einer Zu­nahme des Ka­techo­la­min­spie­gels führte 16).

Abb. 4.: Physiologische Änderungen<br /><br />Bongartz, W. (1996). Der Einfluß von Streß und Hypnose auf das Blutbild. Psychohämatologische Studien. Frankfurt: Lange.

Abb. 4.: Physiologische Änderungen

Bongartz, W. (1996). Der Einfluß von Streß und Hypnose auf das Blutbild. Psychohämatologische Studien. Frankfurt: Lange.

Blutbild: Auch das Blut­bild ver­än­dert sich nach Hyp­no­se. So kommt es zu einer Ab­nahme der Leu­ko­zy­ten­zahl um ca. 20 Pro­zent nach Hyp­nose 16), was über die schon er­wähnte Ab­nahme von des Ka­techo­la­min­spie­gels ge­steu­ert wird, die zu einer Zu­nahme der Haf­tung (Ad­härenz) der Leu­ko­zy­ten am Ge­fäßendo­thel führt 16). Wegen der ver­mehr­ten Haf­tung der Leu­ko­zy­ten an den Ge­fäßwän­den sind we­ni­ger Leu­ko­zy­ten in der Zir­ku­la­tion und damit auch we­ni­ger in der (venö­sen wie ka­pillären) Blut­pro­be. Etwa zwei Stun­den nach der Hyp­nose haben wir eine Dif­fe­ren­ti­al­blut­bild­ver­schie­bung be­ob­ach­tet, d.h. eine Zu­nahme von Lym­pho­zy­ten und Ab­nahme von Neu­tro­phi­len 16) 17).

Klinische Be­fun­de: Nach­weise für län­ger­fris­tige Ein­flüsse von Hyp­nose auf phy­sio­lo­gi­sche Vor­gänge fin­den sich in kli­ni­schen Ar­bei­ten. Ein Hyp­no­se­trai­ning führt zu einer si­gni­fi­kan­ten Sen­kung des Blut­hoch­drucks, die auch sechs Mo­nate nach Ab­schluß des Trai­nings an­hält und einem Bio­feed­back­trai­ning ü­ber­le­gen ist 18). Eine deut­li­che Ab­nahme von War­zen im Ver­gleich zu einer Pla­ce­bo- und einer Kon­troll­gruppe wird nach einer Hyp­no­se­be­hand­lung be­rich­tet 19). Nach der hyp­no­ti­schen Be­hand­lung von Hä­mo­phi­lie (Blu­ter­krank­heit) zeigt sich eine si­gni­fi­kante Re­duk­tion der benötig­ten Me­di­ka­mente im Ver­gleich zur nor­ma­len me­di­zi­ni­schen Ver­sor­gung 20). Bei Pa­ti­en­ten mit Zwölf­fin­ger­darm­ge­schwüren, die auf eine kon­ven­tio­nelle me­di­zi­ni­sche Be­hand­lung nicht an­spra­chen, wurde eine deut­li­che Ver­bes­se­rung nach einer Hyp­no­se­be­hand­lung im Ver­gleich zu einer nur me­di­ka­mentös be­han­del­ten Kon­troll­gruppe ge­fun­den 21). Auch bei Asth­ma­pa­ti­en­ten zeigte eine Hyp­no­se­be­hand­lung ge­genü­ber ver­schie­de­nen Kon­troll­grup­pen eine si­gni­fi­kante Ver­bes­se­rung 22).

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